Bergkäse oder Alpkäse!
Berg-
und Alpkäse
Was ist richtig? Was ist was? Sehr aktuelle Fragen, wenn man in die Fachpresse
schaut. Fragen, die bei der Vermarktung von Käsespezialitäten eine
wesentliche Rolle spielen; besonders weil selbst bei den Berglern verschiedene
Auffassungen herrschen. Auf den ersten Blick ist logisch, dass dort, wo man
z'Bärg geht, Bergkäse (Bärgchäs) hergestellt wird. Ebenso
einleuchtend aber, dass dort, wo man z'Alp geht, Alpkäse produziert wird.
Je nach Gegend heissen die Sömmerungsbetriebe eben so oder anders. So weit,
so gut.
Wenn es nicht die ganz Schlauen gäbe: Früher, bis ins 18. Jahrhundert,
gab es nur den in den Sömmerungsbetrieben hergestellten Käse; im Winter
waren die Kühe bei den damaligen geringen Milchleistungen längere
Zeit galt (trocken) und das Restchen Milch brauchte man im Haushalt. Dies änderte
zu Beginn des 19. Jh., als man infolge der intensivierten Landwirtschaft auch
im Tal und im Winter Käse herzustellen begann. Dazu steht bei Jeremias
Gotthelf «Käserei in der Vehfreude» viel Bemerkenswertes zu
lesen! Z.B. auch, dass die Konsumenten in die neumödischen Talkäse
noch kein grosses Vertrauen hatten. Und da stiegen nun eben die Schlauen ein,
die in den Bergtälern Käse herstellten, und nannten ihren Käse
nicht Talkäse, sondern Bergkäse. Denn nicht überall, wohin man
ihn verkaufte, wusste man, dass er aus den Bergdörfern kam, und so profitierte
man vom guten Namen, den der Bergkäse, eben der vom Berg herab, hatte.
So weit so schlecht.
Nun hatte man also einen Bergkäse vom Berg und einen Bergkäse vom
Dorf. Die Milch kam von den gleichen Bergbauern, die ihre Milch im Sommer auf
dem Berg verkästen und im Winter in die Dorfkäserei lieferten. Als
man die Verwirrung beim Konsumenten bemerkte, war es wie so oft zu spät;
die initiativen Käsereigenossenschaften liessen sich den -mit Absicht -missbrauchten
Namen nicht mehr nehmen. In den Gegenden, wo man z' Alp geht, war die Sache
noch recht einfach. es gab Alpkäse (den von der Alp) und Bergkäse
(den aus dem Dorf). Dies sollte nun in den Gebieten, in denen man z'Bärg
geht, auch so gehalten werden, auch wenn es vielen gegen den Strich geht, den
Käse vom Berg als Alpkäse zu bezeichnen. Warum sollte man?
Der
Alpkäse, eine Spezialität
Man sollte, weil der Alpkäse als etwas Besonderes mehrere Franken pro Kilogramm
mehr wert ist als der Bergkäse aus dem Dorf. Und wenn der Konsument diese
Preisdifferenz bemerkt, sollte er auch erkennen, woher sie kommt. Man sollte
ihm erklären können, worin der Unterschied besteht, und zwar der zwischen
Alpkäse und Bergkäse, denn ein Unterschied zwischen Bergkäse
und «Bergkäse» ist wohl recht schwierig zu erläutern...
Worin besteht denn der Unterschied? Es gibt mehrere Unterschiede.
Der Alpkäse (also auch der ursprüngliche Bergkäse) wird nur im
Sommer hergestellt, wenn sich die Milchkühe auf der Alp ihr schmackhaftes,
würziges Futter selbst zusammensuchen und mindestens den halben Tag frei
auf der Weide herumgehen können. Die Tiere sind in diesen 70 bis 120 Tagen
sehr natürlich gehalten und ernähren sich von frischem Gras und Kräutern,
wenn diese nicht vom Schnee zugedeckt sind.
- Die Milch auf der Alp wird sehr sorgfältig behandelt, kaum gepumpt, nur in kleinem Umkreis transportiert und von Hand teilweise abgerahmt, wenn überhaupt.
- Der Alpkäse wird in alt hergebrachter Weise, mit viel Handarbeit und nachwachsender Energie (Holz aus den zur Alp gehörigen Wäldern) , oft in herkömmlichen Einrichtungen und mit traditionellem Gerät schonend hergestellt.
- Alpenmilch und damit Alpkäse enthalten nach neuen Erkenntnissen (und wissenschaftlich nachgewiesen!) Substanzen, die nicht nur schmackhaft, gesund und bekömmlich sind, sondern auch Schutzfunktionen haben.
- Alpkäse vermindert den Energieverbrauch und andere Kosten, indem die Milch vor Ort auf nachhaltige Art haltbar gemacht wird. Man entzieht ihr vor dem Transport viel Wasser, was diesen wesentlich vereinfacht, ökologischer und ökonomischer gestaltet. Dies war natürlich früher von grosser Bedeutung -und gewinnt heute wieder an Bedeutung.
- Die Herstellung von Alpkäse ermöglicht Wertschöpfung in den äussersten (obersten) Randgebieten der Besiedlung und ist deshalb ein wichtiges Produkt im Rahmen des Verfassungsauftrages, den die Landwirtschaft hat.
Kennzeichen
des Alpkäses
Die Art und Weise, wie sich ein Käse präsentiert oder wie er präsentiert
wird, gibt nicht immer einen Hinweis darauf, ob es ein echter Alpkäse oder
ein Bergdorfkäse ist. Beim Alpkäse gibt es verschiedenste Grössen
(Järbhöhe und Laibdurchmesser) , unterschiedliche Farbe, diverse Altersstufen
und sowohl halbweiche/halbharte als auch harte und extraharte Käse; von
der reichen Geschmackspalette gar nicht zu reden!
Ein echter Alpkäse trägt als Kennzeichen ein Label, das von einer
Schutz- oder Marktorganisation definiert wird. Wer die festgelegten Kriterien
erfüllt, erhält das Recht, dieses Label zu benützen, den Käse
mit einer entsprechenden Marke zu versehen. Diese Marken, die unmittelbar nach
der Herstellung auf die Alpkäselaibe aufgebracht werden ( vgl. S. 28 und
304) , bestehen aus einem Namenszug und eventuell auch einem Bild, welche die
Gegend, aus welcher der Alpkäse stammt, charakterisieren (z.B. Berner Oberland)
sowie einer Nummer oder einem andern Zeichen, mit dem der Alpbetrieb identifiziert
werden kann, in dem der Alpkäse hergestellt wurde. Es ist wichtig, dass
sich auch Konsumentinnen und Konsumenten darum bemühen, Missbräuche,
die immer wieder vorkommen, aufdecken zu helfen, indem sie beim Anbieter nachfragen
und bei Unklarheiten die verantwortlichen Stellen informieren und Auskunft erfragen.
Berner
Alpkäse und Hobelkäse
Berner Alpkäse ist ein Hartkäse und etwas ganz Besonderes. Aus ihm
wird durch eine längere, bis mehrjährige Reifezeit der berühmte
Hobelkäse. Er wird im Berner Oberland und einigen direkt angrenzenden Gebieten
sorgfältig hergestellt und auch durch verschiedene Stellen eingehend geprüft.
Der Verein CASALP koordiniert seit 1993 die Bestrebungen um die Vermarktung
des Berner Alpkäses und des Hobelkäses. Die CASALP ist seit 1999 in
die von der Volkswirtschaftskammer Berner Oberland unterstützten Bestrebungen
integriert, die unter dem Label «Berner Oberland -Originalprodukt»
gemeinsam unternommen werden. Weitere Informationen zur Herstellungsweise und
den Besonderheiten von Berner Alpkäse und Hobelkäse sind auf der CASALP-
Homepage www.casalp.ch zu lesen. Das AOC-Gesuch (Appellation d'origine controlée,
Ursprungsschutz) für diese Käse wird demnächst publiziert werden.
In diesem Rahmen besteht ein umfassendes Pflichtenheft für Berner Alpkäse
und Hobelkäse, das aber noch bereinigt werden muss, und deshalb erst, wenn
es rechtskräftig ist, in einem der geplanten Folgebände bekannt gegeben
werden soll.
(aus z'Bärg, Wege zum Alpkäse,
von Ernst Roth und Beat Straubhaar, Verlag Weber
AG, mit freundlicher Genehmigung des Verlages)